Oliver KönigBlogMasterclass Coaching bei Klaus Eidenschink

Masterclass Coaching bei Klaus Eidenschink

Drei Jahre dauert die Masterclass Coaching bei Klaus Eidenschink und aktuell befinden wir uns im letzten Jahr. Zeit für mich ein Resümee zu ziehen und von einer so intensiven und tiefgründigen Weiterbildung zu erzählen, wie ich sie bis jetzt noch nicht erlebt hatte. 

Kennengelernt habe ich Klaus auf einer DBVC-Veranstaltung und dort merkte ich, dass ich nicht alles verstehe, was er erzählt. Das war neu für mich, denn ich kenne die Coaching-Branche schon seit vielen Jahren. In unserer Profession wird oft von Konzepten wie Lösungsorientierung, Persönlichkeitsanalysen und Verhaltenstraining erzählt – diese kamen bei Klaus überhaupt nicht vor, und wenn, dann stellte er sie einfach spielerisch auf den Kopf. Mein Gedanke: „Von Klaus kann ich wirklich noch was lernen!“. 

Und das hat sich bewahrheitet. Ich habe viel gelernt und meistens nicht das, was ich mir vorher (aus-)gedacht hatte. Ich als Coach bin angereichert von gänzlich anderen Blickwinkeln auf Veränderung. Als Mensch hat Klaus mir unerschrocken meine Themen offengelegt (manchmal schmerzhaft und immer hilfreich) und zu einigen lebensverändernden Entscheidungen beigetragen. Und als Lehrender freue ich mich ab Jahresende einen eigenen Coachkurs zu begleiten. 

Und da ich immer wieder darauf angesprochen werde, was in der Masterclass passiert, erzähle ich euch in meinen nächsten Posts von meiner Lernreise. So könnt ihr ein bisschen Mäuschen spielen in diesen Lernräumen. 

Gibt es etwas, worauf ihr besonders neugierig seid? 

Mit dem Start meiner Learnings direkt ein kleiner Disclaimer: Diese Reihe entsteht Stück für Stück und Woche für Woche. Aus all meinen gesammelten Erfahrungen und neuem Wissen entsteht hier eine ganz eigene Komposition. Schreibendes Lernen nenne ich diesen Prozess. 

Damit geht für mich einher, dass meine kleinen Artikel keine Priorisierung, Hierarchisierung oder den Anspruch auf Vollständigkeit haben. Sie entstehen aus dem Fluss und können als kleine Mosaiksteine gelesen werden, die nach und nach ein Bild ergeben, auf das ich selbst gespannt bin.

Und damit geschieht hier bei meinem Schreiben auch etwas, was für mich im Erlernen eines neuen Coachingstils entscheidend war: Das Loslassen meines Anspruchs, das Ende schon am Anfang zu kennen. 

Denn wenn ich lerne (aka Nicht-Wissen oder Anfängergeist im Zen) und mich sowohl beim Schreiben wie auch beim Coachen darauf einlasse, selbst ein Lernender zu sein, dann biete ich im Coaching kein Produkt an, das sich über fertige Schritte oder eine 1:1-Anleitung beschreiben und replizieren ließe. Ich lasse mich selbst als Mensch auf die Begegnung mit meinem Coachee, das Beziehungsgeschehen zwischen uns und auf das Erleben meines eigenen Seins-Zustandes ein. 

“Drop your tools” würde Weick sagen. 

Und dann alle Konzepte, Coachingtheorie und Methoden vergessen? 

Nein.

Nur behindert mich mein eigenes Festhalten an meinen Konzepten, einen Coachingprozess in all seiner Komplexität wahrzunehmen. Unser menschliches Dasein, unsere Verhaltensweisen und ausgebildeten Muster, die dahinter liegenden Erfahrungen, Emotionen und Affekte, sowie unsere Prägungen und Bindungserfahrungen machen uns aus und sind in sich so vielfältig und individuell, wie der menschliche Fingerabdruck. Speziell bei Führungskräften spielt der organisationale Kontext mit den unterschiedlichsten Team- und Organisationsdynamiken im Hintergrund eine weitere Rolle und erhöht die Komplexität zusätzlich. 

All das ist eingebettet in ein 1:1 Gespräch, in dem ich einem anderen Menschen gegenübersitze, der/die so komplex ist, dass ich zuallererst meine Sinne öffnen muss. Nur so bin ich bereit für all das, was da ist oder auch nicht, was sich zeigt und verbirgt, was sich ausgebildet hat oder ein Defizit geblieben ist, was bewusst oder unbewusst ist, was abgespalten, verdrängt, verleugnet wird oder denjenigen überflutet – und für all das braucht es feine Wahrnehmung meines eigenen Erlebens und innere Resonanz für mein Gegenüber.

All das bietet so eine große Reichhaltigkeit an Informationen und Eindrücken, dass es für mich am Beginn meiner Reise in der Masterclass zuerst einmal besonders schwer war, diese Komplexität zuzulassen. Mich hat der Reichtum von Beobachtungsperspektiven erst mal in Stress versetzt. 

Zu Beginn der Masterclass hatte ich ganz oft das Gefühl: Ach herrje, das habe ich ja überhaupt nicht gesehen! Und das habe ich auch nicht wahrgenommen. Und interessant, dass Klaus Zusammenhänge sieht und intuitiv wahrnimmt, die ich so für mich nicht auf dem Schirm hatte. 

Ich war herausgefordert und oft schlicht überfordert von einer reichhaltigen und lehrreichen Erlebensqualität des menschlichen Daseins, dass ich versucht war mich auf meine üblichen Beobachtungsprozesse (Verhalten, Erzählung und Rolle des Klienten) zurückzuziehen. Denn charakteristisch für Klaus Arbeit ist, dass die Seins-Qualitäten eines Menschen eine besondere Rolle spielen. Wenn wir uns auf diese Ebene der Beobachtung und des Erlebens begeben, dann kommen ganz andere Elemente in den Blick, als wenn man sich nur auf das Verhalten oder die erzählte Story der Person konzentriert. 

Kurz gesagt: Prozessbegleitung im Coaching ist nur möglich, wenn man selbst im Prozess mitschwingen, sich berühren und das eigene Tun/Erleben erleben und beobachten kann. Dabei selbst ein Lernender zu sein ist anspruchsvoll und verunsichert (zunächst). Mein Beginn der Masterclass war somit geprägt vom Loslassen meiner bisher erlernten Wahrnehmungsweise und der Beginn, die Unbegreiflichkeit und Komplexität unseres menschlichen Daseins weiter zu entdecken.

PS: Ja, es kommt noch einiges an Coachingtheorie 😉

Letzte Woche habe ich beschrieben, dass mein Loslassen von Konzepten dazu beigetragen hat mich für den gemeinsamen Prozess mit meinem Coachee zu öffnen. 

Aber was mache ich jetzt mit meinen Konzepten? Und welcher Spielraum eröffnet sich dadurch? 

Ich brauche Konzepte weiterhin, aber in veränderter Form. Bis jetzt waren mir Konzepte, Tools und Methoden wichtig, weil sie mir Orientierung gaben. Mit ihnen konnte ich bei eigener Unsicherheit, Irritation oder einfach Neuland im Prozess wieder zu etwas vermeintlich Sicherem zurückkehren. Ziemlich praktisch, aber oft nur bedingt funktional. 

Und im Hintergrund auch identitätsstiftend. Meine Konzept-Reise begann mit 15 Jahren, als ich in meiner Gemeinde gefragt wurde, ob ich in der Jugendgruppe mit leite. Unzählige freudvolle Stunden verbrachte ich dann mit meinem Diakon über Methodenbücher gebeugt, um die nächste Stunde vorzubereiten. Ich kam also früh mit Gruppenleitung und didaktischer Vorbereitung in Kontakt. Das hat mich geprägt und war für mich das erste tiefe Kompetenzgefühl in meinem Leben. 

Durch die Auseinandersetzung mit meiner eigenen Unsicherheit sind die jahrelang gesammelten Methoden und Tools in den Hintergrund gerückt und kommen situativ zum Vorschein. Damit sich dieser Spielraum öffnen konnte, brauchte es die Erkenntnis, dass das Festhalten an Konzepten mich sowohl unfrei machte, wie auch dem Kontakt von mir mit mir selbst im Wege steht. Welche Rolle die eigene Haupt-Identifikation dabei spielt, dazu später mehr… 

Im Vordergrund stehen jetzt Kontakt und das Vertrauen auch in unsicheren und aussichtslosen Situationen einen Weg zu finden. Das alles entstand durch viel Selbsterfahrung, Körperarbeit und menschliche Gegenüber, die in ihrer Kraft bleiben, wenn es bei mir wacklig wurde. 

Nicht „ich mache…“, sondern „ich bin…“. In Resonanz mit meiner Kraft, Vitalität und Erfahrung. 

Ganz automatisch ergeben sich so andere Themen in meinen Coachings: Weniger Problem-Lösungsebene – mehr Seins-Fragen. Weniger erschöpfende Schleifen, mehr fruchtbare Konflikte. Weniger Tools, mehr Exploration von Vitalität, Kraft, Ich, Resonanz und Loslassen. 

In den ersten Modulen der Masterclass wurde es richtig unbequem für jede/n von uns. Denn Klaus hat nicht lockergelassen jede Person auf Aspekte aufmerksam zu machen, bei denen ich selbst beim Zusehen zusammengezuckt bin.

Dabei kamen Themen zutage, die in der Bearbeitung ans Eingemachte gingen. Um ein paar Beispiele zu nennen: Eine tiefe Einsamkeit, die sich durch Perfektionsansprüche und Distanzierung zeigt. Ein innerer Schrecken, der mit aller Kraft weggehalten werden muss. Keine Möglichkeit sich innerlich abzugrenzen, weswegen alle Gefühle von anderen auch die eigenen wurden. Oder so strenge innere Repräsentanzen, dass jegliches Fühlen verboten ist. …

Klaus hat auf diesem Wege jeden einzelnen von uns verunsichert. Und so dafür gesorgt, dass wir unseren Anpassungs- und Abwehrmechanismen nicht mehr nachgehen konnten. Denn diese Wege sind eingeübt, ich würde sagen, von jedem Erwachsenen in dieser Welt.

Fachlich hat Klaus mit uns an unserer Persönlichkeitsstruktur gearbeitet. Diese wird im OPD3 (Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik) in Achse IV ausführlich beschrieben. Bei Hephaistos sagen wir dazu „Selbstregulationsthemen“. Umgangssprachlich: Arbeit an den Stellen, an denen es innerlich wacklig wird.

Warum gerade da?

Alles Leben ist Anpassung an unsere äußere Welt. Und somit auch ein Versuch in dieser unsicheren Welt und einem grundsätzlich unsicheren Leben irgendwie im Inneren Stabilität und Zuverlässigkeit zu finden. So wird über Anpassungsstrategien ein innerer Zustand hergestellt, der ein einigermaßen zurechtkommen und Funktionieren stabilisiert. So schützen wir uns vor Schmerzen und seelische Not.

Somit wäre auf der Ebene der Persönlichkeit das Arbeiten an einem eingeschwungenen Zustand (=Bezugsrahmen der Person) ein Optimieren der Anpassungsstrategie. Und damit wird Stabilisierung dysfunktional aufrechterhalten über Funktionieren „wird schon gehen“, Vermeiden „lieber nicht da hingehen/hinschauen“, Verdrängen „ich hab kein Problem“, Abspalten „ich kenne meine Angst/Ohnmacht/…, aber es darf mir nicht zu nahekommen“ und viele individuelle Abwehrmechanismen mehr.

Selbststabilisierung braucht deshalb ein Gegenüber, das verunsichert und Sand ins Getriebe der Stabilisierung streut. An Stellen, an denen bis jetzt alle Gegenüber einen Bogen gemacht oder sich auf die Selbststabilisierungsstrategie eingelassen und damit ihre eigene Position aufgegeben haben.

Dass dann Unbequemes zutage tritt, an den Stellen, an denen es wacklig wird, davon erzähle ich nächste Woche.

Letzte Woche sprach ich von Abwehr- und Anpassungsstrategien und möchte auf diese näher eingehen. 

Wir alle erleben im Laufe unseres Lebens unangenehmen Situationen. Um mit ihnen gut klarzukommen, gibt es viele gute Wege, damit Verarbeitung gelingen kann. Doch oft ist es Glück, ob ein passendes Gegenüber da ist, ich Sinn in meinem Erlebten finde und mich selbst liebevoll begleiten kann. Wenn das klappt, wunderbar. Aber niemand geht unbefleckt durchs Leben. 

Warum also diese Not adressieren? 

Weil gerade die Abwehr- und Anpassungsstrategien die eigene Unzufriedenheit hervorzaubert. „Ständig sprechen alle meine Monk-Seite an. Das führt doch nur dazu, dass ich selbst innerlich versteinere und mich nicht mehr lebendig fühle!“ Wie in diesem Beispiel, aus einem meiner Coachings, sind die eigenen Coping-Strategien wie selbsterfüllende Prophezeiungen, die in die eigene Unzufriedenheit führen. 

Lösung liegt dann oft zunächst im Außen: „Ich muss den Anderen klarmachen, dass ich anders bin und wenn sie das nicht verstehen, will ich mit ihnen nichts mehr zu tun haben“. Oder im Inneren wird die eigene ungeliebte Seite so sehr abgelehnt, dass bei Hinwendung die seelischen Erstarrung selbst hervorgerufen wird. Das nur als ein Beispiel von unzähligen. 

Diese Wege führen in die Stagnation. Die eine ungünstige Alternative „ich lehne alles unbequeme in mir ab“ kann nur von einem Switch zu einer anderen ungünstigen Alternative „im Kontakt mit meiner ungeliebten Seite verliere ich jegliche Lebendigkeit und versteinere“ abgelöst werden. Wenn Klienten nur zwischen ungünstigen Alternativen entscheiden können, nennt Klaus diese „unfruchtbar“, denn sie führen im Coachingprozess zu Dauerschleifen und beim Klienten zu einer Wiederholung der schon oft erlebten Frustration. 

An den ungünstigen Alternativen zu arbeiten ist deshalb ein Kunstfehler für uns Coaches. 

Denn für Veränderung braucht es fruchtbare(!) Alternativen. 

Bei meinem Klienten ging es darum, aufmerksam zu werden, wie er selbst seine ungeliebte strukturierende Seite ablehne und bei Hinwendung zu dieser versucht sie zu kontrollieren. Die Alternative lag im Aufbau von Neugier und Interesse von der lebendigen zur strukturierenden Seite. Jetzt lag für denjenigen die Herausforderung darin mit der eigenen Angst vor dem Unlebendigen in ihm und dem wackligen Gefühl (passend für einen strukturierenden Anteil!) bei aufkommenden unkontrollierten Impulsen klarzukommen. 

Damit umzugehen ist nicht weniger herausfordernd, wie mit unfruchtbaren Alternativen. Die Bewegung, die in den Prozess kommt, ist dabei entscheidend. 

Unsere Foki in der Masterclass: 

– Wie erleben wir Stagnation und den Übergang zu fruchtbaren Alternativen bei uns selbst? 

– Wann arbeiten wir als Coaches an der Stagnation, wann an Übergängen zu mehr Beweglichkeit und Lebendigkeit? 

Kennst du diese Situationen im Coaching? Welchen bist du schon begegnet? 

Nachdem ich letzte Woche um das Thema „Not und Schmerz“ noch herumgeschlichen bin, wende ich mich mit euch diesem spannenden Thema zu.

Mein Grundverständnis von Schmerz, Not und unbequemen inneren Zuständen, hat sich seit der Masterclass gravierend verändert.

In meiner persönlichen Wahrnehmung hatte ich Angst vor solchen inneren Erlebenswelten. Und wo Angst ist, da muss auch etwas Bedrohliches sein.

Warum kommt es eigentlich im Coaching dazu, dass in einem sicheren Raum in Deutschland, in einer ruhigen Gesprächsatmosphäre und ohne äußere Bedrohung etwas Bedrohliches auftauchen kann?

In meinem aktuellen Verständnis hat es mit Konflikt- und Schmerzvermeidung, Identitätsthemen und unbegreifbaren- und unaushaltbaren inneren Zuständen zu tun.

Sie können unterschiedlich aussehen und ich bin fasziniert über die Vielfalt von menschlichen Daseinsweisen, die sich mir durch die Masterclass erschlossen haben. Im Trittbrettfahren bei anderen und im eigenen Erkunden.

Denn wenn wir Menschen in Kontakt mit unserem Innersten kommen können die kuriosesten Situationen entstehen: Es kann sein, dass jemand sich plötzlich im persönlichen Erleben droht aufzulösen, zu sterben, von einem Tsunami überrollt zu werden, in die Leere zu stürzen oder derjenige mit allen Formen von Kritikern/Verfolgern/Zerstörern (s. Peichl) und allen (un-)denkbaren Formen von innern Dämonen zu tun bekommt.

Menschen sind dann nur noch Schmerz, fühlen sich haltlos, allein, sind in Trauer und Tränen aufgelöst, müssen kämpfen, ziehen sich zurück, sind in Ohnmacht erstarrt oder steigern sich arretiert in ihre Kompensationsstrategien hinein.

All diese Zustände haben einen Sinn und eine Funktion. Sie sind abgespeicherte Ich-Zustände, die ein früheres Erleben im Außen ins Innere kopiert haben. Um mit diesem inneren Erleben nicht weiter dysfunktional verklebt zu sein braucht es das schon beschriebene Gegenüber, das vor so einem Zustand nicht zurückschreckt. Denn dann schauen sich zwei erwachsene Menschen das Unaussprechliche und Unaushaltbare an und kommen damit in Kontakt. Und dann kann es durchaus intensiv werden.

Leichter wird es in diesem Prozess, wenn sich Verhärtung löst oder sich das Diffuse konkretisiert. Gerade deshalb hat Klaus den Spruch „Alles Leichte ist schwer, bevor es leicht wird“ gewählt. Man muss erst durch die Schwere seines eigenen Prozesses hindurch.

Hat man diesen Prozess einmal durchlaufen, merkt man, dass diese Ich-Zustände haltbar werden, verschwinden, sich verwandeln und sogar zu bedeutsamen Ressourcen werden können.

So ein sich Hinwenden zu sich selbst als bereichernd und diesen Prozess über Jahre hinweg als einen integrativen Prozess zu erleben, das ist eine der größten Bereicherung in meinem Leben.

Schmerz und das Unaushaltbare sind dann nämlich nicht mehr bedrohlich, sondern „nur“ eine Art, mich selbst zu erleben. Denn es ist, was es ist.

Eine Hoffnung bei meiner Anmeldung war, dass ich bei Klaus lerne, wie ich tiefergreifende Prozesse begleiten kann. Und mir war schon klar, dass wir uns mit sehr grundlegenden Elementen unseres Mensch-seins beschäftigen werden.

Unsere zentralen Reflexionskategorien waren: Bewusstsein, Selbstwahrnehmung, Akzeptanz, Verstehen, Selbstverantwortung, Bedürfnisregulation, Resonanz und Selbstausdruck. 

Aber welche Bedeutung hat diese Form der Selbstbeobachtung für einen Entwicklungsprozess? 

Ich persönlich bekam nach dem Durchleben von unterschiedlichsten Abwehrschichten Zugang zu einer sehr existenziellen Not. Und als diese Heilung erfuhr, erlebte ich etwas, worauf mich auch meine Zen-Praxis vorbereitet hatte: SEIN

Diese Erfahrung hat mich für meine Coachingpraxis gelehrt, dass es zwei bedeutsame Ebenen gibt, die fürs Coaching wichtig sind: 

Bedürfnisregulation <-> Seins-Qualitäten

Hier ein paar Beispiele (links Bedürfnisse, rechts Seins-Qualitäten): 

Sich entwickeln – reifen

Sich schützen – geschützt sein

Nähe suchen und Nähe geben – nah sein

Sich entfernen – distanziert sein

Sich anspannen – in Spannung sein

Andere halten und sich halten lassen – in Haltung sein

Etwas loslassen/beenden/sich trennen – sterben und neu werden

Sich vertreten, sich positionieren – einen Standpunkt haben

Sich entspannen – weit/offen/gelöst sein

Kreativ sein – es sprudeln lassen

Etwas stabilisieren – Struktur haben

Jemanden begehren, begehrt werden – lieben

Sich anschließen, integriert werden – verbunden sein

Sich für etwas einsetzen – in Kraft sein

Mich spüren – Ich sein/sagen

Für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse sorgen – mich (in der Welt/in Begegnung) erleben

Die eine Seite ist nichts ohne die andere. 

Jedoch gibt es einen gravierenden Unterschied. SEIN kann nicht gemacht werden. Bedürfnis-Befriedigung schon – oft nur mit Anstrengung, Erschöpfung und nie dauerhaft. 

Bedürfnisse sind auch immer an einen Kontext gebunden und voraussetzungsreich:

Bekomme ich mit, dass ich ein Bedürfnis habe?

  • Kann ich dieses Bedürfnis in mir mit Bedeutung und Kraft versehen?
  • Habe ich die Kompetenz mein Bedürfnis für genau diesen Kontext aktiv einzubringen und einen passenden Weg für dessen Befriedigung wählen?
  • Habe ich die Ausdauer dranzubleiben?
  • Kann ich mich frustrieren lassen und trotzdem dranbleiben?
  • Habe ich den passenden Zeitpunkt gewählt?
  • Kann ich daraus lernen und mich/meine Kontaktqualität/meine Taktik ändern?
  • Habe ich die Muße die Bedürfnis-Befriedigung voll auskosten?

Befriedigung ist also nie garantiert. Und unsere Gesellschaft hat viele Wege gefunden, um Ersatzbefriedigungen darzureichen. 

SEIN kann nur zugelassen und nicht durch Wollen erreicht werden. 

SEIN ist an keine Bedingung oder Kraftanstrengung geknüpft. 

SEIN kann nur erlebt werden.

SEIN reicht. 

Wenn man sich seinen inneren Prozessen widmet, sich den unbequemen Seiten zuwendet, dabei ein Gegenüber erleben darf und sich in diesem Prozess fruchtbarer neuer Boden eröffnet, dann ist das ein Geschenk. 

Gerade in solchen Momenten habe ich uns als Gruppe liebevoll im Miteinander wahrgenommen. Oft gab es ein sich anlehnen, Berührung suchen und Kontakt anbieten im Kreis, während alle präsent dem Prozess einer Person gelauscht, gestaunt, mitgefühlt haben. 

Im Nachgang zu solchen Prozessen hatte die-/derjenige dann die Gelegenheit, sich in der Runde umzuschauen und Resonanz (kein Feedback!) zu bekommen. 

Dieses sich Umschauen im Moment des inneren Neulandbetretens ist oft ein magischer Moment, den ich lieben gelernt habe. Denn zu Beginn war es für mich ungewohnt mich in einem unsicheren Moment, in dem ich eigentlich noch mit der Verarbeitung des Erlebten beschäftigt war, mich anderen Menschen anzuvertrauen. Denn eben noch hatte ich die Gruppe und alles um mich herum ausgeblendet, um im Kontakt mit mir und meinem Gegenüber zu sein. 

Beim ersten Ausprobieren dieses Umschauens hatte ich das Gefühl mich aus Scham verstecken zu wollen. Aber mit Wiederholung verschwand sie und es offenbarten sich mir die liebevollen Blicke von vertrauten Menschen. In einem Moment, in dem sich alles roh angefühlt hat, gesehen zu werden – das ist eine prägende Erfahrung. Mit zunehmender Gewöhnung konnte ich dann die anderen und deren Gefühle zu mir wahrzunehmen und die eigene Resonanz auf mich wirken lassen. 

Solche Blicke validieren die gemachte Erfahrung und bezeugen sie. Sie verankern den Moment des Neuen mit einer Resonanz der Welt auf mich. Dabei mit einem bejahenden Blick gesehen zu werden verknüpft das Neue in mir mit einer bestärkenden Resonanz der Welt. So bekommt die neu erlebte Selbstrepräsentanz ein Gegenüber in mir und trifft dort nicht zuerst auf alte Fremdrepräsentanzen und alte Erfahrungen mit der Welt (dazu demnächst mehr). 

Wie ungewohnt ist es doch in genau diesem Moment des Neuwerdens, dass die Welt oder andere Menschen bejahend antworten. Aber genau diese Antwort braucht es, um Selbstwerdung zu unterstützen. 

So entstand in unserer Gruppe ein guter Boden für gemeinsames Wachstum und die Möglichkeit, sich neue Erlebensräume im Inneren zu erschließen. Mit dem Vertrauen, dass bei vollkommenem Nichtwissen, was im Prozess aufkommt und wo er mich hinträgt, eine gute Landung stattfinden wird. 

Dieses Bild prägt mich auch beim Arbeiten mit meinen Klienten. Wir starten auf gewohntem Boden, betreten während des Coachings wackliges Neuland und kommen zum Schluss wieder zurück zur Ausgangsbasis – unserer tragenden Beziehung. So frage ich zum Ende des Coachings meine Klienten mittlerweile oft „Was siehst du in meinen Augen, wenn du so neu in die Welt schaust?“. 

Solche Momente sind leise und zart. Sie brauchen keine zusätzliche Bekräftigung, sie wirken einfach.

Wie wichtig Kontakt für einen Entwicklungsprozess im Coaching ist, durfte ich in der Masterclass lernen. 

Bei Klaus heißt es oft „ohne Kontakt ist alles nichts“. 

Denn im Kontakt spielt sich alles ab. All das, wie wir durch unsere engsten Bezugspersonen gelernt haben, wie/ob Kontakt mit ihnen und grundsätzlich in der Welt möglich ist. Diese Erfahrung ist so individuell, wie wir selbst. Und sie ist meist so fest verankert, dass sie jegliches Kontaktverhalten von uns prägt (s. Vertreter der Bindungstheorie: Bowlby, Fonagy, Ainsworth). 

Wenn ich als Begleiter meinen Fokus auf den Kontakt zwischen mir und meinem Klienten lege, dann wird das Beziehungsangebot, das ich von meinem Klienten bekomme, relevant: 

  • Mit welcher Selbstidentifikation (die innere Repräsentanz zu der „Ich“ sagen am direktesten möglich ist) ist mein Klient aktuell verbunden?
  • Was ist deshalb erlaubt und was nicht?
  • Wozu fühle ich mich eingeladen/ermutigt und was darf auf keinen Fall sein? 
  • Welche Parallelprozesse finden im Kontakt statt, die im Thema des Klienten vorkommen? 
  • Von welchen (un-)bewussten Übertragungen/Projektionen/Manipulationen bekomme ich mit?
  • Welche Resonanz (kognitiv, emotional, körperlich) habe ich selbst auf meinen Klienten und welche Affekte/Gefühle werden aktiv? 
  • Welche Hypothesen bilden sich deshalb in mir über meinen Klienten und dessen Bindungserfahrung, über mich und über unsere Beziehung? 
  • Welche theoretische Verbindung kann ich herstellen? 
  • Und welcher Zusammenhang zu anderen Sitzungen und dem Grundmuster des Klienten kann ich herstellen? 

So verschiebt sich die Wahrnehmungsebene vom „Was“ zum „Wie“ und feinste Nuancen im Miteinander werden deutlich: Sei es eine subtil gefühlte Zurückhaltung, ein unterwürfiger Blick, die „gemachte“ Offenheit und Selbstoffenbarung, das Alleine-sein im Miteinander, die gemeinsame Resonanzlosigkeit, das sich kontrolliert fühlen, die übertriebene Nettigkeit, das nur Perfekte zu Gesicht bekommen oder nur mit der Not in Kontakt kommen. Die Palette des Kontaktangebots ist so vielfältig, wie wir Menschen eben sind. 

Denn oft ist Kontakt an sich schon heikel, wenn die Grunderfahrung getränkt ist von ignoriert, nur mit Leistung gesehen, abgewertet, ständig betüddelt, mit vermeintlicher Liebe überschüttet, auf einen Thron gehoben oder nur mit Samthandschuhen angefasst werden. 

Spielt diese Beobachtungsebene im Entwicklungsprozess eine Rolle, dann werden Phänomene wie Ersatzbefriedigung, Idealbilder des eigenen Selbst, Antreiberdynamiken, dysfunktionale Selbststabilisierung, Beziehungsverklammerung/Symbiosen, Anpassungsmuster und Idealisierung von sich selbst/anderen/anderem plötzlich erklärbar. Oft ist dies ein AHA-Moment, wenn der Coach nicht in die sonst bekannten Muster miteinsteigt. 

Schließlich gehört die Erfahrung instrumentalisiert worden zu sein mit zu den schlimmsten Erfahrungen, die wir Menschen machen können. Und die narzisstische Not dahinter ist oft unerträglich. 

Dann ist es überraschend und ungewohnt, jemanden als Gegenüber zu haben, der gerade „nichts will“ außer im hier-und-jetzt mit persönlicher Resonanz im Kontakt zu sein. Die Funktion zur Abwehr der eigentlichen Not ergibt plötzlich Sinn und ist thematisierbar.

Mir war bewusst, dass es nie einen komplett heilen Zustand der eigenen Persönlichkeit geben wird, aber mit der Masterclass ist diese Hoffnung endgültig verflogen. Denn nichts wird am Ende komplett heil.

Die Welt und auch wir bestehen aus Inkongruenzen, Paradoxien und Unstimmigkeiten.

Eine der herausforderndsten Übungen ist es zu all dem, was mich ausmacht, ICH zu sagen.

Aber erstmal rumgedreht betrachtet: Am leichtesten ist es ICH zu sagen, wenn es in einem bestimmten Kontext innere Klarheit und Resonanz zu drei Aspekten gibt: 

– Einem Affekt = Das grundlegende Erleben von Lebendigkeit, ein leibliches Gespür – noch bevor ein körperliches Gefühl oder eine kognitive Emotion auftaucht (s. Staemmler)

– Eine Selbstrepräsentanz = Das Erleben eines ICHs (in mir)

– Eine Fremdrepräsentanz = Das Erleben einer anderen Person/der Welt (in mir)

Diese Repräsentanzen sind das kognitiv-emotionale Abbild, die sich ein Mensch von sich selbst und der Welt macht – mit allen Freiheiten und Beschränkungen. Meistens ist der Dreiklang aber getrübt, vermischt, gekoppelt oder überlagert. Sichtbar wird dies am ehesten durch die Art, wie wir über die Welt oder andere sprechen.

Hat man einmal Zugang zu seinen Repräsentanzen gefunden, so kann man die eigenen Bilder der Welt vortrefflich studieren:

– Die Welt besteht aus Barbaren und es gibt keinen Ausweg – sie werden meinen Garten verwüsten. Ich habe keine Chance etwas zu bauen oder das Gebaute zu schützen (Ohnmacht).

– Die Welt ist dunkel, düster und sinnlos. Es wird niemals Kontakt geben zu niemandem (Einsamkeit).

– Die Welt besteht aus Menschen, die mich aussaugen wollen. Ich bin in ständiger Anspannung (Angst).

– Die Welt lässt mich im Stich – hier ist kein guter Ort, um versorgt zu werden. Deshalb leiste ich bis zum Umfallen und habe gleichzeitig Angst dabei zu sterben (Flucht in Autarkie).

– Die Welt besteht nur aus Beliebigkeit, deshalb hinterfrage ich alles und jeden: „Was ist hier (wirklich) los?“ (Dissoziation).

– Die Welt besteht aus unerreichbaren Menschen und ich stoße mir jedes Mal wieder den Kopf an. Deshalb behandle ich mich selbst gnadenlos (Leere).

Mir wurde im Laufe der Masterclass immer deutlicher, wie eine der hier genannten Kombinationen mein Selbsterleben prägt und jegliche Selbstwahrnehmung und inneren Entwicklungsprozesse davon beeinflusst sind. 

Eine Grunderfahrung, die so fundamental mit dem eigenen Ich verbunden ist, dass alles die gleiche Essenz beinhaltet hat und schlussendlich alle Veränderungsversuche nichts an dieser Basis verändert haben. 

Jegliches Wollen und Verändern war vergeblich und hat das Muster schmerzlich verstärkt. 

Erleichterung brachte diese Kombination: Das Erleben der eigenen Lebendigkeit (Affekt) im hier-und-jetzt im gleichzeitigen Kontakt mit einem Gegenüber + der Akzeptanz der eigenen Selbstrepräsentanz aus der Vergangenheit und der dabei erlebbaren abgespeicherten Erfahrung der Welt (Fremdrepräsentanz). 

Dann hat sie die Selbstrepräsentanz selbst verändert und aufgelöst.

Wenn sich also im hier-und-jetzt eine neue Selbstrepräsentanz, zu der ich ICH sagen kann, bildet, dann ist es den abgespeicherten Selbst- und Fremdrepräsentanzen möglich sich zu verändern. 

Dann wird nicht alles heil, aber es kann nachreifen, was sich zuvor nicht entwickeln konnte.

Letzte Woche habe ich über den Dreiklang von Affekt, Selbst- und Fremdrepräsentanz geschrieben. Repräsentanzen sind das kognitiv-emotionale Abbild, die sich ein Mensch von sich selbst und der Welt macht.

Heute liegt der Fokus auf der Fremdrepräsentanz. Von ihr hängt ab, ob ich z.B. bei einem Wunsch nach Nähe Kontakt suche, weil mein Abbild der Welt Menschen beinhaltet, die meine Nähe schön finden. Oder ob ich trotz des Wunsches nach Nähe auf Abstand bleibe, weil mein Abbild der Welt Menschen beinhaltet, die sich von mir abwenden.

Mein Abbild der Welt kann Impulse und Bedürfnisse verstärken oder sie hemmen – im Extremen sogar übersteigern oder tilgen.

Probieren wir es aus:
Liebe Leserin, lieber Leser, stelle dir vor, wie es wäre, wenn die Welt und alle Menschen, die Qualität beinhalten, nach der du dich schon immer sehnst.
– Aus welcher Selbstrepräsentanz (Ich-Erleben im hier-und-jetzt) speist sich diese Vorstellung?
– Welche Sehnsucht ist mit diesem Erleben verknüpft?
– Welche Qualität (in unendlicher Menge vorhanden!) würde diese Sehnsucht stillen?
– Welche Welt entsteht als inneres Abbild?
– Wie erlebst du dich selbst, wenn dir so eine Welt zugänglich wird?

In der Masterclass hat Klaus uns oft mit pointierten Aussagen zu unseren Sehnsüchten überrascht. Mitten in Selbsterfahrungssequenzen, in denen es zäh wurde, brachte er Vorschläge ins Spiel, die uns zum Schmunzeln brachten und die eigene Fixierung deutlich machten:
– Wie wäre es, wenn die Welt dir alles, was dich versorgt, dir zur Verfügung stellt, bevor du daran denkst?
– Was passiert mit deinem Erleben, wenn dein Gegenüber bleibt?
– Statt dir weiter den Kopf anzustoßen, wende dich der Welt im hier-und-jetzt zu.
– Stell dir vor, du hättest genau die Eltern gehabt, die du gebraucht hättest.

Das Herausfordernde in solchen überraschenden Momenten ist, dass das eingeübte Duo aus Selbst- und Fremdrepräsentanz eine Irritation erfährt.

Diese Haltung geht über ein „die Welt ist perfekt, wenn ich sie mir nur perfekt imaginiere“ hinaus. Man braucht vor allem Fingerspitzengefühl, um sich mit eigener Fantasie eine Welt für den Klienten vorzustellen, die eine unerfüllte Sehnsucht berührt und diametral dem aktuellen Selbsterleben gegenüber liegt. Beim Klienten braucht es im Selbsterleben einen Fuß in der Tür für den Aufbau einer neuen Selbstrepräsentanz, die aber noch mit der alten Fremdrepräsentanz in Verbindung steht.

Dann beinhalten solche Momente die Chance mit Abstand auf das eigene innere Duo aus Selbst- und Fremdrepräsentanz zu schauen. Und über den ungewohnten Blickwinkel meines Gegenübers einen neuen Blick auf mich selbst zu werfen.

Für mich persönlich war es wunderbar zu erfahren, wie versorgend und ernährend die Welt sein kann. In diesem Prozess hat sich eine neue Gelassenheit in der Welt zu sein entwickelt.

So können neue Welten entstehen, die mit einem relevant anderen Selbsterleben einhergehen.

Was ist, wenn beim sich Zuwenden nicht nur Schönes wartet? 

Sondern Botschaften, die verängstigen, klein machen, beschämen, entmutigen, anklagen oder antreiben? 

Diese sind oft diffus und mit dem eigenen Selbstwert verknüpft:

– Du bist nichts wert. 

– Das kannst du nicht. 

– Sei … 

– Du bist schwach und dumm. 

– Streng dich an.

– Das ist Quatsch. 

– Dich braucht niemand. 

– Du bist falsch. 

Diese Stimme geht mit einer hohen Identifikation einher und fühlte sich wie eine unverrückbare Wahrheit an. Denn sie trifft ins Mark. Sie urteilt, verfolgt und richtet. 

In der Objektbeziehungstheorie (Kernberg + Klein) wird diese Stimme „Introjekt“ genannt. 

Das fiese an einem Introjekt ist, dass es sich nicht als eine im Außen erlebte Erfahrung begreifen lässt, sonst wäre es eine Kombination aus Selbst- und Fremdrepräsentanz. Introjekte sind so früh verinnerlichte innere Botschaften, die wie Fremdkörper in der eigenen Selbstrepräsentanz wirken und dabei unglaublich gut unerkannt bleiben. 

Bei mir hat sich folgendes Bild gefestigt: Für eine stimmige Integration braucht es Kauvorgänge, die das grobe Erleben der Welt in nuancierte und flexible Repräsentanzen im Inneren zerlegen. Beim Kauen wird an der Selbstgrenze geprüft, kritisch zerlegt und nur das, was nützlich und passend ist, in die eigene Substanz auf- und übernommen. Dieser Prozess braucht gesunde Aggression – die Fähigkeit zu unterscheiden, zu zerlegen und Nein zu sagen. Der Vorgang bei einem Introjekt gleicht dem „Schlucken im Ganzen“. An der Kontaktgrenze fehlt die Bewusstheit und die Fähigkeit zur kritischen Prüfung. Äußere Normen, Bewertungen, Verbote oder Eigenschaften anderer Personen wurden unverdaut/unverändert übernommen (oft, wenn keine andere Wahl bestand) und verbleiben dort. 

Ist man Introjekten auf der Spur, so ist Fingerspitzengefühl gefragt: Denn es könnte sich entweder um eine noch nicht integrierte Erfahrung oder um Täter-Anteile handeln. Erfahrungen kann man integrieren, Täter-Anteile nicht. 

So durfte ich miterleben, dass aus einigen Introjekten Fremdrepräsentanten wurden, indem der Kauprozess nachgeholt und das damals Erlebte ins eigene Selbst integriert wurde. 

Täter-Introjekt aber wurden entsorgt, begraben oder hinausgeworfen (wortwörtlich!). Oft verbunden mit Schuldgefühlen „darf ich das überhaupt? – derjenige hat doch auch gute Seiten!“, mit Angst „was bleibt von mir dann noch?“ und mit Scham „ist das so richtig?“. 

Nicht nur Integration schafft Erleichterung, sondern an dieser Stelle vor allem Distanz, Ausspucken und Rauswurf. Und so ein Rauswurf kann sich wirklich gut anfühlen… 

In der Masterclass sind wir nicht nur durch intensive Selbsterfahrungsprozesse gegangen, sondern haben uns auch zu Theoriegruppen zusammengefunden, um uns mit Coachingtheorie zu beschäftigen. 

Klaus war es immer wichtig, dass zu einem metatheoretischen Verständnis auch dazugehört unterschiedliche Schulen, Methoden und Theorien integrieren, aber auch auseinanderhalten zu können. 

Dazu haben wir uns intensiv in ein Thema oder einem Theorieansatz eingelesen und diesen mit Querbezügen und Verknüpfungen zur Metatheorie aufbereitet. 

Hier ein Auszug der Themen und Ansätze, mit denen wir uns beschäftigt haben: 

  • Emotionsfokussierte Ansätze
  • Symbiosen, Triangulation, Bindung
  • Arbeiten mit Teilen, Ego-States und dem inneren Team
  • Körperpsychotherapie, SE, Focusing, Hakomi, Bioenergetik, Neurogenes Zittern, Atemübungen
  • Trauma, Neurobiologie, NARM, TIST, Polyvagal, PITT, NI
  • Diagnostik, OPD, ICD
  • Entstehung des Selbst, Persönlichkeitsstruktur
  • Hypnosystemisches Arbeiten, Pesso, Introvision
  • Destruktive Selbstrepräsentanzen, Introjekte, Schutz- und Abwehrprozesse, Dämonenarbeit
  • Gestalttherapie, Stuhlarbeit, Gestalttherapeutischer Prozess

Wichtig war dabei immer zu verstehen, wie der jeweilige Ansatz entstanden ist, welche Logik theorieprägend ist und wie er praktisch eingesetzt wird. So konnten wir nach dem praktischen Ausprobieren unsere Erfahrung gegenseitig teilen und Bezüge zur Metatheorie der Veränderung herstellen. 

Für mich war dieser Anspruch an unsere Beschäftigung mit Theorie, wie ein drittes Studium. Wir waren ja alle parallel ständig mit Selbstentwicklungsprozessen beschäftigt. Aber im Gegensatz zu meinen Bachelor- und Master-Studiengängen war diese Beschäftigung mit Theorie zum ersten Mal geprägt von dem eigenen Wunsch und Anspruch einen Beruf – den Beruf „Coach sein“ – in der Tiefe zu verstehen und zu durchdringen. Ja noch mehr. Diesen Beruf zu verkörpern. 

Mit Stolz kann ich jetzt sagen: Ich bin Coach und das ist mein Beruf! 

Vielleicht ist das ähnlich wie in Selbstwerdungsprozessen oder in Krisen. Erst wenn die volle Verkörperung gelungen ist, wenn man die Materie durchdrungen hat, dann schließt sich der Kreis/die Gestalt. 

Das faszinierende an meiner Profession ist, dass sich das Selbst oder ein Ich nicht abschließend und voll umfänglich beschreiben, ja eigentlich überhaupt nicht greifen lässt. Spüren schon…

Disziplinen wie Philosophie, Theologie und Psychologie machen den Versuch Modelle zu entwickeln, um etwas Ungreifbares greifbar zu machen. Immer unvollständig und mit den stimmigsten Worten, die für diesen Moment zur Verfügung stehen.

Eines dieser gelungenen Versuche ist die OPD = Operationalisierte psychodynamische Diagnostik.

Für alle noch nicht OPDler: Die OPD ist aus einem Arbeitskreis von PsychoanalytikerInnen entstanden. Es ist aufgebaut in 4 „Achsen“: 1. Krankheitserleben und Behandlungsvoraussetzungen, 2. Beziehung, 3. (innere) Konflikte und 4. (Persönlichkeits-)Struktur. Die Achsen machen psychodynamische Phänomene beschreibbar und liefern eine klinische Leitlinie für Diagnostik und Interventionsplanung.

Durch meine Zeit im Rettungsdienst bin ich vertraut mit medizinnaher Terminologie und fand den Ansatz der OPD sehr spannend. Denn sie verknüpft einen entscheidenden Punkt in den Achsen 3 und 4. Oft beschränken sich Konzepte einzig auf innere Konflikte oder einzig auf Persönlichkeitsstruktur – die OPD verknüpft beide Phänomene.

Innere Konflikte werden in Bezug zum jeweiligen Strukturniveau dargestellt:

– Bei einer gut integrierten Persönlichkeitsstruktur kommt es bei inneren Konflikten zu einer Konfliktspannung, die sich auch selbst oder mit Unterstützung lösen lässt.

– Bei eher mäßig integrierter Persönlichkeitsstruktur löst ein innerer Konflikt ein um-sich-kreisen aus, das alle Lebensbereiche und die Beziehungsgestaltung durchzieht.

– Bei einem eher geringen Strukturniveau wird ein Konfliktschema deutlich, das eine Arretierung oder große Instabilität beinhaltet.

Für mich lassen sich Parallelen zu Coachingsituationen herstellen: 

– Als integrierte Persönlichkeit hat ein Klient für mich einen inneren Beobachter, der Spielraum für unterschiedliche Blickwinkel auf das eigene Selbst hat. Gleichzeitig sind innere Konflikte und multiperspektivisches Fühlen und Denken möglich. Gegensätze und innere Spannungen können gehalten werden, so dass intensive Selbsterfahrungsprozesse zugänglich sind. Die Voraussetzung dafür ist ein sicherer innerer Ort – meist in Kombination mit einem mitfühlenden inneren Beobachter. Von dort kann der Prozess starten und enden.

– Klienten mit mäßig integrierter Struktur können mehrere Selbstrepräsentanzen erleben und unterscheiden. Es gibt schon genügend Boden für eine Bühne, auf der innere Konflikte stattfinden können, aber noch zu wenig Selbstabstand oder Sicherheit für „freiwillige“ Selbsterfahrung.

– Klienten mit hyperstabiler oder konfluenter Persönlichkeitsstruktur sind diese eine erlebte Person ohne Wahlmöglichkeit. Selbst- und Fremderleben finden ausschließlich in den gleichen Bahnen und in der gleichen Identität statt.


Dies ist die zentralste Facette, wie die OPD mein Denken und meinen Blick auf Coachingprozesse und menschliche Persönlichkeit bereichert hat. Aber es gäbe noch mehr zu schreiben: 

Über (innere) Fähigkeiten, die Menschen erlangen, wenn sie durch Selbsterfahrungsprozesse gehen. 

Über einen Vergleich der Begrifflichkeiten in der Metatheorie der Veränderung und der OPD. 

Über Unterschiede im Selbsterleben, die die OPD wenig erwähnt und manchmal auch außenvorlässt… etc. 

In meinem Post „Nichts wird heil …“ habe ich schon beschrieben, dass Inkongruenzen im eigenen Selbsterleben dazu gehören und es nicht darum geht, dass ein Selbsterleben schön/gut/immer rund wird. 

Was aber, wenn ich mir als Coach, mit allen Mitteln, die ich zur Verfügung habe (Kognition, körperliche/seelische Resonanz, Theorie, Erfahrung im Leben/im Coaching/in Selbsterfahrung …), keinen Reim auf die Reaktion/Verhaltensweise/Aussage eines Klienten machen kann? Mir etwas zunächst nicht plausibel erklärbar erscheint.

Eine der Hauptfragen, die für mich im Prozess immer mitläuft, ist: Welche Funktion hat die erlebte Qualität des Klienten in seiner Psychodynamik? 

Denn jedes Erleben hat eine Funktion. 

So erlebe ich immer wieder zunächst unplausible Momente, die mich innehalten lassen, weil etwas nicht zusammenpasst, sich inkongruent anfühlt oder in meinem bisherigen Verstehen einfach nicht erklärbar ist. Dann frage ich mich:

  • Welche Funktion hat eine allumfassend erlebte Leere, wenn alle Ablenkungsmöglichkeiten nicht wie gewohnt bedient werden? 
  • Welche Funktion hat das zwanghafte Erfolgsstreben, in dem alles funktionalisiert und genutzt werden muss? 
  • Welche Funktion hat der Wunsch nach Trennung kurz vor dem Moment, in dem jemand emotionale Bedeutung gewinnen und Nähe sich entwickeln könnte?
  • Welche Funktion hat es, keine Grenzen zu setzten und sich über ein verträgliches Maß hinaus zu engagieren?

Für mich gibt es keine schnellen und standardisierten Antworten mehr. Aber ich bleibe hartnäckig bei der Frage nach der Funktion.

Beim Dranbleiben in diesen Situationen haben sich für mich folgende Erkenntnisse herausgeschält: 

  • Jede erlebte Qualität kann sich in unterschiedlicher Ausprägung zeigen (Affekt, Emotion, Körper, Denken, im Kontakt, in Resonanz, in Co-Regulation).
  • Jede erlebte Qualität hat eine Funktion oder hatte eine Funktion und re-aktualisiert sich. 
  • Jede erlebte Qualität kann auch deren Gegenteil beinhalten.
  • Jede erlebte Qualität kann funktional und dysfunktional sein, je nach Selbstrepräsentanz, dem Gegenüber und der jeweiligen Situation oder Kontext. 
  • Alles fließt und verändert sich – Stagnation ist hinterfragenswert. 

Diese Aspekte helfen mir, um in unklaren Situationen einen Überblick zu bewahren, über die Funktion eines Phänomens nachzudenken und es mit meiner kontaktvollen Resonanz in die Begegnung mit meinem Klienten zu bringen. 

Dabei erlebe ich viel Dankbarkeit, wenn sich selbstverständliche, meist ungeliebte Phänomene plötzlich erklären lassen und damit ihre Willkürlichkeit und ihren Schrecken verlieren. Dann tritt meist Erleichterung und manchmal Trauer ein, da unplausibles plötzlich plausibel ist. 

So ist dann beides möglich: Das Aufatmen und das Spüren des bisher unterdrückten Schmerzes. 

Wir sind nicht nur mit unserer Seele verbunden, sondern auch immer mit unserem Körper – je nachdem wie funktionalisiert oder verkörpert wir uns selbst empfinden. 

Klaus unterscheidet zwischen zwei Wahrnehmungsformen bezogen auf unseren Körper. Unser Leib ist der innerlich/seelisch empfundene Körper, der eine eigenen Repräsentanz abbildet. Der biologische Körper ist der haptisch empfundene Körper. Beide Empfindungen können deutlich voneinander abweichen und die Selbstwahrnehmung des Leibs kann sich durch Selbsterfahrung sehr schnell ändern.

Für mich selbst war erstaunlich, dass mir nach einem Jahr in Craniotherapeutischer Behandlung auffiel, wie sehr sich meine Leib-Empfindung von meiner körperlichen Empfindung unterschied. Erst nach dem Rauschmiss von Introjekten, der Integration von existenziellen Selbst- und Fremdrepräsentanzen und dem Auflösen von tiefen muskulären und fascialen Verspannungen, haben sich beide Empfindungen angeglichen. 

In der Masterclass haben wir mit Elementen der Körperpsychotherapie gearbeitet. So waren Übungen aus der Bioenergetik hilfreich, um Affekten und Emotionen Ausdruck zu verleihen und Katharsis bzw. Entladung von Spannung zu erleben. In unserer Selbsterfahrung war das ursprüngliche Empfinden des Körpers immer ein wichtiger Fokus für sich veränderndes Empfinden. Und wir haben achtsame Berührungen für den Aufbau und die Festigung von Containment (= grundlegendes Gefühl von Halt) bzw. die Herunterregulierung von überflutenden Gefühlen genutzt. 

Dabei wurde unsere Achtsamkeit für kleinste Signale des Körpers (ein Schulterzucken, ein Berührtsein im Ausdruck der Augen, die Veränderung von Tonalität und Modulation in der Stimme, eine Geste als Ausdruck eines Affekts und emotionaler Bewegung, die Atmung und Körperhaltung) immer feiner und differenzierter. 

Mir persönlich wurde bewusster, wie stark in unserem Selbstausdruck alles sichtbar wird. Wie man am Gang, der Körperhaltung und feinsten Signalen Affekte, Beziehungserleben und Grundüberzeugungen gespiegelt sieht. 

So hat sich in meinen Coachings ergeben, dass auf den Körper bezogene Achsamkeitsübungen helfen können, um überhaupt einen Zugang zum eigenen Körper zu bekommen oder auszubauen. Meine Scheu vor Berührung hat sich gewandelt in Halt gebende Berührung, wenn Menschen in innerlich haltlose Situationen kommen. Und meine eigene Resonanz hat sich durch mein vertieftes leibliches und körperliches Erleben verfeinert. 

In der Masterclass Coaching haben wir ein Coaching mit einem/r KlientIn über 20 zusammenhängende Coachingsitzungen dokumentiert und darüber eine ausführliche Reflexion erstellt. Alles basierend auf der Metatheorie der Veränderung, speziell der Leitprozesse der Psychodynamik. In der Dokumentation haben wir alle 20 Coachings reflektiert, Transkripte miteingefügt und ein Schlussfazit gezogen. Es war eine Arbeit, die anstrengend war, aber einen großen persönlichen Mehrwert bot.

Meine wichtigsten Learnings: 

1. Vom Detail zum großen Ganzen. In vielen meiner Coachings tauche ich tief in die Dynamik der jeweiligen Sitzung ein, reflektiere danach und bin dann neugierig, wie es in der nächsten Sitzung weitergehen könnte. Durch das nochmalige Anhören der Aufnahmen und das Verschriftlichen hat sich mein Blick geweitet. Ich sehe nicht mehr nur die kleinen Schritte, sondern erkenne die größeren Entwicklungsbögen und Zusammenhänge, in denen meine Klienten stehen. Das Verständnis für Veränderung bezogen auf längere Zeitverläufe hat sich dadurch grundlegend geschärft.

2. Mit der Dokumentation ist ein demütigerer Blick auf Veränderung entstanden. Wir wollen ja oft, dass Klienten sich weiterentwickeln, ihre inneren Seiten kennenlernen und wachsen. Aber manchmal lässt das Umfeld oder die aktuelle Belastung das gar nicht zu. Um sich diesen Aspekten unseres Selbst widmen zu können, braucht es Zeit, Muße und die passenden Rahmenbedingungen, in denen sich ein/e KlientIn bewegt. Dann kann ein Coaching auch dabei unterstützen den aktuellen Alltag zu meistern, bevor grundlegende Veränderungen überhaupt in den Blick kommen (können). Wie voraussetzungsreich es ist sich grundlegenden inneren Prozessen überhaupt erst widmen zu können, das wurde mir deutlich bewusst. 

3. Die Vielfalt der Methoden und Stile in unserem Kreis hat mich bereichert. Es war wunderbar zu sehen, wie unterschiedlich und einzigartig jede/r einzelne TeilnehmerIn mit seinen/ihren KlientInnen arbeitet. Das war in jeder Dokumentation herauszulesen. Zu sehen, wie andere ihren ganz persönlichen Stil im Coaching entwickelt haben und ihn leben, war eine große Freude.

Für mich bleiben vor allem Gelassenheit und Ruhe als Lerngewinn. Wie lange der Weg mit KlientInnen geht, ist erst gemeinsam herauszufinden. Und ob es dabei um tiefe Selbstentdeckung geht oder Unterstützung im herausfordernden Alltag, das lässt auch nur gemeinsam herausfinden. Viele verschiedene Wege dürfen sein, denn der Prozess entscheidet über die stimmige Länge und Tiefe eines Coachings.

Dies ist der letzte Teil meiner Serie über die Masterclass bei Klaus Eidenschink. Mit diesem Post endet nicht nur eine Reihe von LinkedIn-Beiträgen, sondern für mich persönlich auch ein prägender Lebensabschnitt der letzten drei Jahre.

Wie beendet man eine Zeit, in der eine Gruppe von Menschen zur wichtigsten Lerngemeinschaft geworden ist? Wir haben im letzten Modul nicht einfach nur Zertifikate erhalten. Wir haben uns Zeit füreinander genommen. Viel Zeit.

Wir haben uns im Hier und Jetzt vergegenwärtigt, was wir aneinander schätzen und was wir voneinander gelernt haben. In diesen Momenten wurde mir klar, welche Art von Beziehungen sich zu jeder einzelnen Person entwickelt hat und wie diese Beziehung in den 3 Jahren gewachsen ist. Es war seelisch bereichernd, weil wir uns auf das eingelassen haben, was Abschied auch bedeutet: Verletzlichkeit und Vergänglichkeit. Mir wurde bewusst, dass nichts bleibt. Und dass gerade in diesem Gewahrsein etwas Schönes und Wesentliches entsteht.

Gleichzeitig durfte ich in diesen Tagen des Abschieds ein Gefühl erleben, das mich überrascht hat. Die gemeinsamen Tage waren emotional intensiv und ich fühlte ich mich, wie nach einer Beerdigung. Ich war emotional erschöpft und leer. Aber es war eine gefüllte Leere. Es war wirklich alles gesagt und alles gefühlt. 

Gerade deshalb war auch ein solcher stimmiger Abschied möglich. Weil alles gewürdigt und noch einmal gespürt werden durfte was war und gerade noch ist. Passend zu unserer Ausbildung hat sich hier im wahrsten Sinne des Wortes eine Gestalt geschlossen. 

So blicke ich mit großer Demut auf diese Erfahrung zurück. Mir ist bewusst geworden, wie viel zusammenkommen muss, damit so eine Gemeinschaft entsteht. Es braucht viel Wohlwollen, damit individuelle Bedürfnisse nicht konkurrieren, sondern sich in ihrer Vielfalt ergänzen. Dass das gelingt, ist keine Selbstverständlichkeit.

Ich gehe aus dieser Ausbildung mit einer tiefen Zufriedenheit und Dankbarkeit. Danke, Klaus. Danke an jeden Einzelnen dieser wunderbaren Gemeinschaft: Sarah, Christine, Tanja, Claudia, Judith, Anne, Simone, Calvin, Ralf, Christian, Alexander. 

Der Kreis hat sich geschlossen. 

veröffentlicht am 24. Februar 2026 von

Oliver König

Oliver König

Organisationsentwickler und Coach

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